|
Der Unsinn der Schlankheitsdiäten
Teil 4: Moderne Schlankheitsdiäten
Nachdem Bantings Diät vom Tisch war drängten jede Menge neuer
Diäten nach. 1967 kam The Doctor's Quick Weight Loss
Diet heraus. Der Autor dieser Diät behauptete, dass man
mit dieser Diät bis zu 6 kg pro Woche verlieren könne. Es durften nur
mageres Fleisch und Fisch, Hüttenkäse, Magermilchkäse und Wasser,
jedoch kein Fett und keine Kohlenhydrate verzehrt werden. 1978 erschien
The Complete Scarsdale Medical Diet ,die der
Autor des vorigen Buches mitverfasst hatte und ähnliche
Diätempfehlungen gab. Dieses Mal wurde ein Gewichtsverlust von 9 kg in
zwei Wochen postuliert. Wir wissen, dass ein kontinuierlicher
Gewichtsverlust von mehr als 1 kg pro Woche eine ernsthafte
Gesundheitsgefährdung darstellen kann. Beide Diäten erheben
unrealistische Ansprüche, beide haben einen erheblichen Mangel an
Fett, Vitaminen und essentiellen Mineralstoffen.
Die Pritikin-Diät erschien zum ersten Mal im Jahr 1979 und zwar
unter dem Namen The Pritikin Program, später
als die Maximum Weight Loss Diet. Der Autor
war Nathan Pritkin, von Beruf Elektronikingenieur. Diese vegetarisch
ausgerichtete, fettfreie Diät sollte nicht nur zum Abnehmen geeignet
sein, sondern laut Pritikin Langlebigkeit fördern. Bei dieser Diät
war rohes Gemüse in jeder Menge erlaubt. Das klang nach unbegrenzter
Kalorienzahl, war aber aufgrund des geringen Kaloriengehaltes von rohem
Gemüse in Wahrheit eine niederkalorische Diät und zum Scheitern
verurteilt. Auch was die Langlebigkeit anging, versagte die Diät
zumindest bei ihrem Erfinder. Ohne ständige Zufuhr der richtigen
Nährstoffe kann das Gehirn nicht richtig funktionieren. In vielen
Studien zu cholesterinsenkenden Diäten fand sich bei Probanden mit
niedrigen Cholesterinspiegeln eine erhöhte Anzahl von
Selbstmordfällen. Nathan Pritikin beging im Februar 1985
Selbstmord.
Sein Sohn Robert, Direktor des Pritikin Longevity Center schien von
dieser Entwicklung wenig beeindruckt und veröffentlichte 1990
The New Pritikin Program..
Fettarme Diäten dieser Art verursachen nicht nur Gehirnstörungen
und schwere emotionale Veränderungen die, wie in Nathan Pritikins Fall
sogar zum Selbstmord führen können, sondern können auch
Depressionen, Angst und Frustration zur Folge haben. Zusätzlich sinkt
die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Krankheiten; letztlich
können dauerhafte Gesundheitsschäden die Folge sein.
Nahrungsmittelkombinationen
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts stellte Dr. William Harvey Hay
die These auf, dass die gesunde Ernährung die Trennung von
Kohlenhydraten und Eiweiß verlange. Wie viele unsinnige Diäten klingt
auch die Hay’sche Diät zu Beginn einleuchtend, jedoch stellt man
schnell fest, dass sie in Wirklichkeit einfach nur merkwürdig ist. Hay
wies darauf hin, dass Proteine und Kohlenhydrate im Darm bei
unterschiedlichen Bedingungen verstoffwechselt werden. Das ist soweit
richtig. Dann allerdings behauptet er, dass aus diesem Grund
eiweißhaltige und kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel getrennt verzehrt
werden sollten. Das ist Unsinn. Die Natur scheint Dr. Hay da nicht
richtig verstanden zu haben, denn Nahrungsmittel bestehen nicht
ausschließlich aus Proteinen oder Kohlenhydraten sondern es sind beide
Stoffe gleichzeitig enthalten. Brot wird zum Beispiel als
„Kohlenhydrat“ eingestuft obwohl es erhebliche Eiweißanteile
besitzt. Bohnen wiederum gelten als „Eiweiß“ obwohl sie bis zu
dreimal soviel Kohlenhydrate enthalten können.
Pflanzliche Eiweißquellen sind oft unvollständig, denn es fehlen
essentielle Aminosäuren- Der Körper benötigt jedoch alle
essentiellen Aminosäuren und zwar alle zu gleicher Zeit: wenn mehrere
Stunden zwischen dem Verzehr liegen, funktioniert das nicht. Wirksame
Nahrungsmittelkombinationen sind zum Beispiel gebackene Bohnen auf
Toast, Brot und Käse, Fleisch und Kartoffeln, oder Milch und
Reispudding. Laut Dr. Hay sind diese Kombinationen alle nicht
erlaubt.
Dann gibt es noch eine amerikanische Diät bei der keine
Nahrungsmittel kombiniert werden: Die
Kohlsuppendiät. Und so funktioniert sie: am ersten Tag
gibt es Gemüse- (Kohl-)-suppe, am nächsten Tag gibt es Bananen, dann
Salat, dann Eier, dann nur Kohlenhydrate und dann geht’s wieder von
vorne los. Obwohl bei dieser Diät ein gefährlicher Eiweißmangel
entsteht, gibt es sie seit Ewigkeiten.
Die Hay’sche Diät war zur Verbesserung der Gesundheit und nicht
als Schlankheitsdiät gedacht. Ein eventueller Gewichtsverlust ergab
sich aus der Kalorienbeschränkung und weil Dr. Hay zum Verzicht auf
Zucker und andere raffinierte Kohlenhydrate riet. Die berüchtigte
Beverly Hills Diet, die 1981 veröffentlicht
wurde war eine Schlankheitsdiät und beruhte dem Prinzip der
Nahrungsmittelkombination. Sie schien der Hay’sche Diät recht
ähnlich, hatte aber noch einen kleinen Dreh. Die Autorin war gelernte
Schauspielerin und behauptete, dass Nahrungsmittel so kombiniert werden
müssten, dass sie sich “verdauungstechnisch nicht gegenseitig
bekämpfen“. Genau wie Hay behauptet sie, dass Eiweiß und
Kohlenhydrate sich gegenseitig bekämpfen und deshalb nicht zusammen
verzehrt werden sollten.
Der oben erwähnte kleine Dreh besteht darin, dass sie glaubt, die
“sich bekämpfenden Nahrungsmittel“ unverdaut bleiben und sich im
Körper „festsetzen“. Die Ansammlung von Nahrungsmitteln, die sich
auf diese Weise festsetzen, führt ihrer Ansicht nach zur
Gewichtszunahme. Werden die Nahrungsmittel richtig kombiniert, so dass
sie sich nicht bekämpfen, so werden sie richtig verarbeitet und man
nimmt nicht zu. Das ist natürlich völliger Unsinn. Nicht verdaute
Nahrungsmittel werden vom Körper ausgeschieden und landen in der
Toilette. Nur wenn Nahrungsmittel vollständig verdaut werden können
sie absorbiert werden und zur Gewichtszunahme führen.
Die Autorin der Beverly Hills Diät rät auch zum Verzehr von
Früchten wie Papaya und Ananas, das diese “fettverbrennende
Enzyme” beinhalten, die auf das Körperfett wirken. Auch diese
Behauptung ist kompletter Blödsinn, da die Enzyme in Früchten
ebenfalls Proteine sind, die im Darm aufgeschlossen werden gar nicht in
die Nähe von Körperfett gelangen. Eine solche Diät führt vermutlich
eher zu Durchfällen und Mineralverlust. In einem späteren Buch
definiert die Autorin die Beverly Hills Diät nach den Prinzipien der
chinesischen Philosophie des Yin und Yang. Dies ist Grundlage der
extremen makrobiotischen Zen-Ernährung, die ernährungstechnisch so
unausgewogen ist, dass Skorbut, Nierenversagen und Todesfälle
aufgetreten sind.
Diäten, die sich auf ein Nahrungsmittel
beschränken
Die Beverly Hills-Diät ging schon in Richtung der Diäten bei denen
nur ein einziges Nahrungsmittel verzehrt wurde. Danach kamen noch
mehrere andere gleicher Art, darunter die Bananen-Diät,
die Fisch-Diät, die Saft-Diät und die Joghurt-Diät
.
Als nächstes tauchte 1982 die F-Plan
Diät auf, die sich ebenfalls auf einen Aspekt
kaprizierte, nur war es in diesem Fall kein Nahrungsmittel sondern die
absolut unessbaren Ballaststoffe. Bei Audrey Eytons F-Plan Diät wird
die Menge der verzehrten Ballaststoffe verdoppelt und zwar einfach
durch Zugabe von Kleie zu so gut wie allem, was verzehrt wird. Damit
soll laut der Autorin ein Gefühl der Völle entstehen und der Appetit
gemindert werden. Allerdings hält dieses Gefühl nicht besonders lange
vor, denn Kleie passiert den Verdauungstrakt schneller als normale
Nahrungsmittel, so dass die Wirkung schnell verfliegt. Die
neurochemischen Sensoren im Zwölffingerdarm erkennen außerdem, dass
die durchgeschleusten Stoffe wenig Nährwert haben. Der Appetit wird
nicht abgeschaltet. Es sind übrigens nicht die Ballaststoffe, die die
Wirkung des F-Plans ausmachen. Der F-Plan ist genau wie alle anderen
Diäten eine kalorienarme Ernährungsform. Selbst Frau Eyton gibt das
in ihrem Buch zu: „Glauben Sie keinem Menschen und keiner Diät, die
ihnen weismachen will, dass Kalorien beim Abnehmen keine Rolle spielen.
Das stimmt nicht. Nur darum geht es beim Abnehmen."
Und weiter geht es. Audrey Eyton war nicht die einzige
“Expertin”, die Ballaststoffe zur Gewichtsabnahme empfahl, obwohl
das nicht risikolos ist. Einer der am häufigsten verwendeten
Ballaststoffe ist Guarkernmehl. 1990 schlug die amerikanische
Lebensmittelbehörde (Food and Drug Administration FDA) aufgrund von
Sicherheitsbedenken ein Verbot von Guarkernmehl für
nichtverschreibungspflichtige Produkte vor.
Obwohl Ballaststoffe immer wieder wegen ihrer blutzuckersenkenden
Wirkungen gepriesen werden, müsste man davon soviel verzehren, dass
das Essen durch die schiere Menge ungenießbar oder inakzeptabel
würde. In vielen Studien zu Ballaststoffen und Adipositas war der
Gewichtsverlust den von vielen Studienteilnehmern nach Umstellung auf
ballaststoffreiche Kost erfahrenen Magen- und Darmproblemen
zurückzuführen.
Die meisten Studien sind auch nicht gut kontrolliert. In einer
Studie, bei dies der Fall war, wurde festgestellt, dass Ballaststoffe
im Essen keinerlei Wirkung auf Blutzuckerspiegel oder Insulin
hatten.
Teil 1:
Einleitung | Teil 2: Moderne
Schlankheitsdiäten | Teil 3: Tatsachen &
Irrtümer über Fett | Teil 4: Diäten im 20.
Jahrhundert | Teil 5: Das Muster
wiederholt sich | Teil 6: Das Ende aller
Diäten? | Teil
7: Schlussfolgerung?
Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Kritzer, Germersheim
|
"A great book that shatters so many of the nutritional fantasies and fads of the last twenty years. Read it and prolong your life."
Clarissa Dickson Wright
"NH&WL may be the best non-technical book on diet ever written"
Joel Kauffman, PhD, Professor Emeritus, University of the Sciences, Philadelphia, PA
- a completely new kind of video and DVD.
"Must be regarded as essential reading . . . informative and thought-provoking." Dr Vyvyan Howard, MB. ChB. PhD. FRCPath. University of Liverpool.
|