Mythos Cholesterin
Teil 3: Ballaststoffe marsch!
Die Tragödie der Wissenschaft ist, dass schöne
Hypothesen von hässlichen Tatsachen gefressen
werden.
T. H. Huxley
Der Glaube an regelmäßige Darmentleerungen zur
Erhaltung der Gesundheit ist schon sehr alt. Die
moderne Theorie jedoch geht jedoch auf Dr. Dennis
Burkitt zurück, der beobachtete, dass relativ wenige
der in ländlichen Gebieten lebenden Afrikaner Darmkrebs
bekommen. Er schrieb das der relativ groben Nahrung
zu.
Die Theorie besagte, dass Ballaststoffe die
Nahrungspassage durch den Darm beschleunigen und
deshalb weniger krebsfördernde Substanzen gebildet
werden. Das beruhte natürlich auf der Annahme, dass
Nahrung im Darm überhaupt krebserregende Substanzen
bildet und darauf gibt es keinen Hinweis. Es gibt auch
keine Hinweise darauf, dass eine schnellere Darmpassage
das Risiko von Darmkrebs senkt. Außerdem unterschied
sich der Lebensstil der ländlichen Afrikaner sehr stark
von dem eines Stadtbewohners der Industrieländer: die
Ernährung ist anders, aber die Menschen sind auch
weniger Schadstoffen, Toxinen oder seelischem Stress
ausgesetzt. Bei anderen Bevölkerungsgruppen –
z.B. bei den Mormonen in Utah – tritt ebenfalls
wenig Darmkrebs auf obwohl ihre Ernährung
ballaststoffarm ist.
Die Theorie war also damals unbegründet und erwies
sich später als unrichtig. Man stellte fest, dass
Afrikaner, die vom Land in die Stadt zogen und sich
typisch westlich ernährten immer noch geringe
Darmkrebsraten aufwiesen und sich das in der zweiten
Generation fortsetzte. Diese späteren Erkenntnisse
wurden allerdings nicht veröffentlicht. Dann wurden die
Medien auf Burkitts Theorien aufmerksam. Die Medien -
immer an auf der Suche nach interessanten Neuigkeiten -
walzten eine bestenfalls schwache Hypothese zu einem
Therapiedogma aus, das Ballaststoffe als Allheilmittel
für alle möglichen Krankheiten darstellt.
Auch die Geschäftswelt entdeckte schnell die
kommerzielle Verwertbarkeit und sprang auf den
Siegeszug der Ballaststoffe mit auf. Burkitts
Empfehlungen bezogen sich allerdings auf Faserstoffe in
Gemüse und nicht auf Kleie (Getreidefasern). Kleie hat
einen höheren Fasergehalt und stand zusätzlich als
ungenutztes Abfallprodukt des Mahlprozesses zur
Verfügung. Die ungenießbare Kleie konnte mit
Unterstützung von Burkitts Ballaststoffhypothese
plötzlich als wertvolles Nahrungsmittel vermarktet
werden. Dr. Hugh Trowell, Burkitts Partner, der
ebenfalls Ballaststoffe in der Nahrung auf’s
Wärmste empfiehlt, sagte 1974 allerdings:
"Bei der ganzen Ballaststoffdiskussion hat sich ein
schwerer Denkfehler eingeschlichen. Bei Faserstoffen
denken die meisten Leute an Getreidekleie –
viele Afrikaner verzehren aber weder Getreide noch
Getreidekleie.“
Faserstoffe und koronare Herzkrankheit
Die Hypothese, dass Faserstoffe gegen Herzinfarkt
schützen kann, wurde 1972 von Trowell vorgestellt und
gründete sich ebenfalls auf Forschungen bei ländlichen
Bevölkerungsgruppen in Afrika. In den oben erwähnten
Ernährungsinterventionsstudien kam man allerdings zu
dem Schluss, dass Ballaststoffe in der Nahrung
keinerlei günstigen Einfluss auf Herzkrankheiten
hatte.
Faserstoffe und andere Krankheiten
An dieser Stelle möchte ich auch den Behauptungen
nachgehen, dass Ballaststoffe zur Verhütung oder
Therapie anderer Krankheiten dienlich seien. Kleie wird
zum Beispiel seit 30 Jahren zur Therapie des
Reizdarmsyndroms verwendet, obwohl keine der
placebokontrollierten Studien jemals eine günstige
Wirkung von Kleie bei Reizdarm nachgewiesen hat. Eine
1994 veröffentlichte Studie stelle fest, das Obstfasern
wirksam waren, Kleie die Situation jedoch
verschlechterte. Nicht nur wurde das Reizdarmsyndrom
nicht gebessert, sondern es stellte sich heraus, dass
Kleie das Problem überhaupt erst verursachte. Kleie
führte auch zu Darmbeschwerden, aufgetriebenem Bauch
und Schmerzen.
Es gibt keinerlei direkte Hinweise darauf, dass eine
erhöhte Zufuhr von Ballaststoffen andere Krankheiten
verhindert oder heilt. In Bezug auf Darmkrebs wurde
Burkitts Theorie in Frage gestellt, da die niedrigen
Krebsraten der ländlichen Bevölkerung in Afrika der
höheren frühen Sterblichkeit aus anderen Gründen
zuzuschreiben sein könnten.
Auch in USA wächst die Skepsis gegenüber der Theorie
dass zuwenig Ballaststoffe Krebs hervorrufen; es gibt
sogar Studien, die vermuten lassen, dass
ballaststoffreiche Ernährung das Darmkrebsrisiko
erhöht.
Weitere unerwünschte Wirkungen
Versuche zur Ermittlung der angenommenen Vorteile
von Ballaststoffen zeigten, dass weitere schädliche
Nebenwirkungen auftreten können. Alle Nährstoffe der
Nahrungsmittel werden von den Darmwänden absorbiert und
das dauert seine Zeit. Ballaststoffe verkürzen die Zeit
der Darmpassage wodurch weniger Nährstoffe aufgenommen
werden können. Auch behindern sie die Aufnahme von
Eisen, Kalzium, Phosphor, Magnesium, Energie, Eiweiß,
Fetten und den Vitaminen A, D, E und K. Obwohl dies
trifft auf alle Ballaststoffarten zutrifft, fallen die
bei einer typisch westlichen, nährstoffreichen
Ernährung mit dem Gemüse aufgenommenen Fasermengen
nicht ins Gewicht. Hinzu kommt, dass Phytate in
Getreidefasern (Kleie) sich mit Kalzium, Eisen und Zink
verbinden, diese Nährstoffe unverdaulich machen und zu
Mangelabsorption führen. Eine Studie zeigte zum
Beispiel, dass Probanden aus Weißbrot mehr Eisen
absorbierten als aus Vollkornbrot obwohl bei
Vollkornbrot fünfzig Prozent mehr Eisen verzehrt worden
war. Kleie führt auch dazu, dass Kalzium, Eisen, Zink,
Phosphor, Stickstoff, Fette, Fettsäuren und Sterole mit
dem Stuhl ausgeschieden und der Körper dieser
Substanzen beraubt wird.
Diese Erkenntnisse sind besonders für bestimmte
Bevölkerungsgruppen bedenklich, denn zu hoher
Ballaststoffverzehr, besonders Getreidekleie trägt zur
Erhöhung verschiedener Risiken bei:
- Die Häufigkeit von Osteoporose (Knochenschwund)
nimmt zu und betrifft inzwischen zwei Drittel der
Frauen nach der Menopause, jede fünfte Frau stirbt
an den direkten Auswirkungen. Auch immer mehr
Männer sind von Osteoporose betroffen. Die Ursache
von Osteoporose ist multifaktoriell wobei das
Grundproblem der Kalziummangel ist. Kleie
verhindert die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung
und entleert die Kalziumspeicher des Körpers.
Zusätzlich wird die Aufnahme des zur
Knochenreparatur benötigten Zinks durch Kleie
nachteilig beeinflusst.
- Bei Patienten mit der Alzheimerkrankheit
(Altersdemenz) wurden anormale Mengen Aluminium im
Gehirn gefunden. Tests, die mit Menschen in Guam,
Teilen von Neuguinea und Japan, die in jüngeren
Jahren an Alzheimer erkrankt waren, durchgeführt
wurden weisen darauf hin, dass Kalziummangel zu
einem hormonellen Ungleichgewicht führt, wodurch
Aluminium ins Gehirn eindringen kann.
- Säuglinge können ähnliche Hirnschädigungen
erleiden, wenn sie mit aus Soja hergestellter
Säuglingsnahrung ernährt werden. Der Phytatgehalt
dieser Nahrung ist zu hoch und verhindert die
Aufnahme von Zink, einem für die Gehirnentwicklung
unentbehrlichen Nährstoff.
- Vitaminmangelkrankheiten wie Rachitis, die in
Großbritannien bis zur Einführung einer
milchprodukt- und fleischreichen Ernährung weit
verbreitet waren, breiten sich erneut aus. Die
Situation ist bereits so besorgniserregend, dass
Ärzte raten, vegetarische Modediäten als eine Art
von Kindesmissbrauch einzustufen.
- In Großbritannien, den USA, Kanada und Südafrika
verhindert der Verzehr von Anti-Nährstoffen wie
z.B. den Ballaststoffen die Aufnahme von Eisen. Bei
gleichzeitigem weitgehenden Verzicht auf Fleisch
(eine Folgeerscheinung der Empfehlungen zur
“herzgesunden Ernährung”) kann sich
eine Eisenmangelanämie entwickeln.
- Depressionen, Anorexie, niedriges Geburtsgewicht,
verlangsamtes Wachstum, geistige
Zurückgebliebenheit und Amenorrhoe sind mit
Zinkmangel assoziiert, die ersten fünf sind können
auch bei Eisenmangel auftreten.
- Schließlich hat die übermäßige Aufnahme von
Ballaststoffen Einfluss auf das Einsetzen der
Menstruation, verzögert das Wachstum der
Gebärmutter und ist außerdem mit später
auftretenden Menstruationsstörungen assoziiert.
Aufgrund der Phytate kommt Prof. David Southgate,
der als weltweit führende Autorität auf dem Gebiet der
Wirkungen von Ballaststoffen gelten darf, zu dem
Schluss, dass Menschen mit erhöhtem Mineralstoffbedarf,
also Säuglinge, Kinder, Heranwachsende und schwangere
Frauen vor dem übermäßigen Konsum von Ballaststoffen
geschützt werden sollten.
Dr. H.S. Wasan und Dr. R.A. Goodlad, Mitglieder des
Imperial Cancer Research Fund äußerten sich
folgendermaßen zum Thema Darmkrebsrisiko 1996:
"Solange nicht in prospektiven Studien gezeigt
werden kann, dass einzelne Bestandteile der
Ballaststoffe zumindest keine schädlichen Wirkungen
haben, empfehlen wir dringend, bei der Zugabe von
Ballaststoffen zu Nahrungsmitteln Zurückhaltung zu üben
und bei der Postulierung unbegründeter
Gesundheitsvorteile diegleiche Zurückhaltung walten zu
lassen." . . . "Bestimmte ballaststoffreiche
Nahrungszusätze, die oft als Nutrizeutika oder
funktionelle Nahrungsmittel bezeichnet werden, stellen
eine potentiell gefährliche und bisher nicht bekannte
Art und Weise der Beeinflussung moderner
Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung dar."
Bis zum Nachweis der Unschädlichkeit von
Faserstoffen sollte laut Ansicht der beiden Ärzte:
"bei der Zugabe von Faserstoffen zu Nahrungsmittel
Zurückhaltung geübt werden und unbegründete
Behauptungen über gesundheitliche Wirkungen begrenzt
werden".
Im Januar 1999 wurde die bisher größte Studie zur
Wirkung von Ballaststoffen auf Darmkrebs
veröffentlicht. Nach sechzehn Studienjahren mit 88.757
Frauen kamen die Ärzte am Brigham and Women’s
Hospital und der Harvard Medical School zu folgendem
Schluss:
"Es konnte keine signifikante Assoziation zwischen
der Aufnahme von Ballaststoffen und dem Risiko des
kolorektralen Adenoms festgestellt werden.“ "Wir
finden in unseren Daten keine Bestätigung einer
Schutzwirkung von Ballaststoffen gegen kolorektalen
Krebs oder Adenom. "
Zusammenfassung
Getreidekleie hat keinerlei vorteilhafte
Wirkung. Faserstoffe in Früchten sind nicht allzu
schädlich aber die Kleie, die man uns normalerweise
andienen will – Weizenkleie – sollte man
meiden, wie der Teufel das Weihwasser.
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Teil 1: Einleitung
Teil 2: Nahrungsfette und Herzkrankheit
Teil 3: Ballaststoffe marsch!
Teil 4: Gefahr durch niedrigen Blutcholesterinspiegel
Teil 5: Cholesterinsenker
Teil 6: Vorteile?
Teil 7: Und was ist nun mit der Herzkrankheit?
Teil 8: Eine Frage der Ethik
Teil 9: Die Gefahren einer gesunden Ernährung
Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Kritzer,
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