Mythos Cholesterin
Teil 7: Und was ist nun mit der Herzkrankheit?
Alle bisher veröffentlichten Bemühungen zur
Senkung des Blutcholesterinspiegels durch Medikamente
oder Diät sind samt und sonders
gescheitert.
Sir John McMichael, Professor Emeritus der Medizin,
University of London
Ist die koronare Herzkrankheit wirklich die
Killerkrankheit, als die sie dargestellt wird? Richtig
ist, dass ein großer Prozentsatz der Todesfälle in
Großbritannien der KHK zugeschrieben werden. Die Frage
ist jedoch, ob dies Anlass zur Besorgnis bietet. Wie
aus Tabelle I ersichtlich, nimmt die koronare
Herzkrankheit bei Menschen über 75 Jahre zu. Aber zeigt
das ein Problem auf?
Es ist ein Irrtum zu glauben, dass diese Menschen
noch leben könnten, wenn sie sich anders ernährt oder
ihren Lebensstil geändert hätten. Im Gegensatz zu dem,
was uns die Gesundheitsindustrie erzählt, ist der
Mensch nicht unsterblich und kann nicht erwarten, ewig
zu leben. Meiner Ansicht nach zeigen die Zahlen
einfach, dass der Mensch 1995 eine längere
Lebenserwartung hat als 1975. Dies gilt für beide
Geschlechter und ist sicherlich begrüßenswert.
|
Tabelle VI: - KHK-Sterblichkeit
in Großbritannien bei Menschen über 70 nach
Geschlecht und Alter |
| Alter
|
70-74 |
75-79 |
80-84 |
Über 85 |
| Männer |
| 1975 |
16297 |
12561 |
8666 |
6270 |
| 1995 |
13379
|
12975 |
12223 |
10254 |
| Frauen |
| 1975 |
10598 |
12868 |
12589 |
14617 |
| 1995 |
7695 |
9915 |
13717 |
21263 |
ICD 410-414
Vorzeitige Todesfälle durch KHK geben zurecht Anlass
zur Besorgnis. Wenn sich hier die Dinge durch
Ernährungsumstellung zum Besseren wenden lassen, wäre
eine entsprechende Beratung angemessen. Tabelle VII
zeigt allerdings deutlich, dass in den letzten zwanzig
Jahren die Todesfälle aufgrund von KHK in allen Gruppen
unter siebzig Jahren und bei beiden Geschlechtern
deutlich gefallen sind.
Tabelle VII: ? KHK-Sterblichkeit in Großbritannien
bei unter-Siebzigjährigen nach Geschlecht und Alter
| Tabelle VII: -
KHK-Sterblichkeit in Großbritannien
bei unter-Siebzigjährigen nach Geschlecht und
Alter |
| Alter |
40-44 |
45-49 |
50-54 |
55-59 |
60-64 |
65-69 |
| Männer
|
| 1975 |
1290 |
2914 |
5783 |
7214 |
11678 |
15448 |
| 1995 |
643 |
1473 |
2261 |
3766 |
6170 |
9591 |
| Frauen
|
| 1975 |
202 |
473 |
1072 |
1902 |
3950 |
7104 |
| 1995 |
124 |
262 |
480 |
979 |
2028 |
4188 |
ICD 410-414
Manche Leute sind der Ansicht, dies sei ein Beweis
für den Erfolg der „gesunden Ernährung“.
Lassen Sie sich nichts vormachen. Dieser Rückgang kann
nicht Ergebnis der Empfehlungen zur “gesunden
Ernährung” sein, denn diese Empfehlungen wurden
erstmals im COMA-Bericht von 1984 ausgesprochen. Der
Rückgang der vorzeitigen Sterblichkeit an KHK begann
bereits zwanzig Jahre früher, nämlich 1965, wie aus der
untenstehenden Grafik (Männer im Alter von 40 bis 44)
hervorgeht.
Zu dieser Zeit lebten die Leute großenteils nach den
zu Beginn dieses Artikels genannten Empfehlungen. In
der Schule gab es kostenlose Vollmilch, man verzehrte
Schmalzbrote und aß Eier mit Speck zum Frühstück. In
der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs erreichten
die Todesfälle durch KHK einen Höhepunkt und begannen
nach Ende der Lebensmittelrationierung, als fettreiches
Essen sehr beliebt war, wieder zu sinken.
Den “Medical Research Council” (MRC,
medizinische Forschungsorganisation) dürfte das kaum
überraschen. In der von diesem Gremium 1993
veröffentlichten Caerphilly-Studie wurde von der
Epidemiologie-Abteilung des MRC nachgewiesen, dass
Männer, die mehr als 500 ml Vollmilch pro Tag
verzehrten, nur ein Zehntel der Inzidenz der
Herzkrankheit aufwiesen, als Männer, die keine Milch
tranken. Ebenfalls gezeigt wurde, dass Menschen, die
eine energiereiche Kost zu sich nahmen, länger lebten
als Menschen, die die Nahrungsfette reduzierten. Diese
Erkenntnisse zeigen, dass die Ernährung, von der uns
Ernährungsberater stets abraten nicht nur unschädlich
ist, sondern vor Herzkrankheit schützen kann!
Diese Erkenntnisse werden auch durch eine japanische
Studie aus dem Jahr 1992 bestätigt. Die Sterblichkeit
an koronarer Herzkrankheit ist in Japan generell
niedrig, am niedrigsten jedoch in Okinawa. Auch die
Blutcholesterinspiegel sind in Japan generell eher
niedrig – in Okinawa jedoch sind sie viel höher
und gleichen etwa denen Schottlands. 1994 wurde die
Beziehung von Ernährungsstatus und weiterer
Lebenserwartung bzw. Gesundheit bei älteren Japanern
auf der Grundlage dreier epidemiologischer Studien
untersucht. Es stellte sich heraus, dass japanische
Hundertjährige ihr Eiweiß eher aus Fleisch als aus Reis
und Hülsenfrüchten bezogen. Die Hundertjährigen
verzehrten auch mehr Lebensmittel tierischen Ursprung
wie Eier, Milch, Fleisch und Fisch.
Bemerkenswerterweise verzehrten sie auch weniger
Kohlenhydrate als ihre Landsleute, die früher
verstarben.
Ein Beispiel für erhöhtes Risiko
Mir fällt immer wieder auf, dass meine Ratschläge
von Frauen oft mit der Bemerkung “Ich trinke
lieber fettarme Milch. Ich mag keine Vollmilch, die ist
mir zu fettig“ quittiert werden. Diese Tendenz
finde ich bedenklich.
Wir alle brauchen Kalzium. Frauen benötigen Kalzium
besonders dringend, um in späteren Jahren Osteoporose
zu vermeiden. Milch ist unter allen Lebensmitteln die
beste Kalziumquelle. Das Kalzium befindet sich in der
Milch und nicht im Rahm, so dass entrahmte Milch etwas
kalziumreicher ist als Vollmilch. Der Verzehr fettarmer
bzw. entrahmter Milch scheint deshalb auf den ersten
Blick vorteilhaft zu sein. Damit Kalzium jedoch im Darm
aufgenommen werden kann, müssen Fett und Vitamin D zur
Verfügung stehen – und fettarme Milch enthält
weder das eine noch das andere. Deshalb wird Kalzium
aus Vollmilch zu fünfzig Prozent aufgenommen, bei
fettarmer Milch sind es jedoch nur ca. fünf Prozent.
Und wenn Sie ihre fettarme Milch mit kleiehaltigem
Müsli zum Frühstück verzehren, erreichen Sie vermutlich
nicht mal diese fünf Prozent.
1979 untersuchte der verstorbene Professor Sir John
McMichael die Lipidhypothese. Er stellte folgendes
fest:
"Angesichts der Tatsache, dass alle bisher
veröffentlichten Bemühungen zur Senkung des
Cholesterinspiegels durch Ernährung oder Medikamente
vergeblich waren“…“brauchen wir
einen neuen, wissenschaftlich begründeten Ansatz und
sollten solange nicht weiter öffentlich spekulieren
bzw. durch Wiederholung der immer gleichen
Medienpropaganda Verwirrung bis wir sicher sind,
diese Frage geklärt zu haben und die von kritischen
Ärzten als unhaltbar bezeichnete Hypothese über die
Ursachen über Bord geworfen haben."
Leider scheint niemand diese Aussage gehört zu
haben.
Fett enthält nicht nur doppelt so viel Energie wie
Kohlenhydrate oder Proteine sondern zusätzlich
essenzielle Nährstoffe: Lipide, die vom Gehirn und
zentralen Nervensystem benötigt werden und ohne die wir
reizbar und aggressiv werden; Sterole, Vorläufer der
Gallensäure und einer Reihe von Hormonen (einschl.
Geschlechtshormone); außerdem die fettlöslichen Hormone
A, D, E und K. Der verstorbene Dr. John Yudkin,
Professor für Ernährung und Diätetik an der Londoner
Universität bezeichnete Fett als das wertvollste
Nahrungsmittel des Menschen. Fett wegzuwerfen ist
Dummheit und Verschwendung.
Literatur:
Registrar General's Mortality
(Cause) Statistics 1961 to 1995.
A M Fehily, et al. Diet and incident ischaemic heart
disease: the Caerphilly Study . Br J
Nutr 1993; 69: 303.
H Shibata, et al. Nutrition for the Japanese elderly.
Nutr. Health. 1992; 8(2-3):
165-75
McMichael JM. Fats and atheroma: an inquest.
BMJ 1979; 279: 890.
Teil 1:
Einleitung
Teil 2:
Nahrungsfette und Herzkrankheit
Teil 3:
Ballaststoffe marsch!
Teil 4: Gefahr
durch niedrigen Blutcholesterinspiegel
Teil 5:
Cholesterinsenker
Teil 6: Vorteile?
Teil 7: Und was ist nun mit der Herzkrankheit?
Teil 8: Eine Frage
der Ethik
Teil 9: Die
Gefahren einer gesunden Ernährung
Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Kritzer,
Germersheim
|