Mythos Cholesterin
Teil 9: Die Gefahren einer gesunden Ernährung
'Gesunde Ernährung' bedeutet laut den modernen
Empfehlungen eine fettarme, kohlenhydratreiche Kost. In
den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts haben jedoch
mehrere Studien gezeigt, welchen Schaden das anrichten
kann.
Adipositas
1932 nahmen adipöse Patienten mit verschiedenen
Diäten wie folgt, ab:
- Durchschnittliche tägliche Verluste bei
kohlenhydrathaltiger, fettarmer Kost - 49g
- Durchschnittliche tägliche Verluste bei
kohlenhydratarmer, fettreicher Kost - 205g
Die Ärzte Dr. Lyon und Dr. Dunlop sagen:
"Das Auffallendste an dieser Tabelle ist, dass
der Gewichtsverlust umgekehrt proportional zum
Kohlenhydratgehalt der Nahrung zu sein scheint. Bei
geringem Kohlenhydratverzehr ist der Gewichtsverlust
größer und umgekehrt."
Es ist kein Zufall, dass die Zahl der Menschen, die
dick werden, seit Einführung der Empfehlungen zur
“gesunden Ernährung” so dramatisch
angestiegen ist. Schon 1863 wurde gezeigt, dass man von
fettarmer, kohlenhydrathaltiger Ernährung dick wird.
Langsam fängt auch die Welt der Medizin an, das zu
begreifen. 1994 schrieben Professor Susan Wooley von
der Universität des Cincinnati College of Medicine und
David M Garner, Forschungsdirektor am Beck Institut für
Kognitive Therapie und Forschung:
"Wenn Menschen ein Ziel, das sie dringend
erreichen wollen nicht erreichen können, so müssen wir
endlich zugeben woran es liegt: es sind nicht die
Menschen, die versagen sondern die angewandten Methoden
und Therapien."
Anders ausgedrückt heißt das, dass man den
Übergewichtigen nicht mehr die Verantwortung zuschieben
und ihnen vorwerfen kann, sie äßen zu viel und müssten
sich einschränken. Es sind die Empfehlungen der
Ernährungsberater und die verordneten Therapien, die
falsch sind. Wooley und Gardner kommen zu dem
Schluss:
"Wir sollten damit aufhören, den
Abnehmwilligen ineffiziente Therapien anzubieten.
Forscher, die glauben, den neuen Stein der Weisen
gefunden zu haben, müssen ihre Methoden in
kontrollierten Studien überprüfen, bevor sie der
Bevölkerung ihre Weisheiten mitteilen. Nur wenn wir
zugeben, dass Therapien nicht funktionieren und wir
auch dazu stehen, indem wir diese Therapien nicht mehr
anbieten, können wir die Tatsache wieder gut machen,
dass wir dicke Leute einhundert Jahre lang auf die Bahn
des Versagens geschickt haben. "
1997 bemerkten zwei Amerikaner, Dr. A.F. Heini und
Dr. R.L. Weinsier den Trend und gaben den fettarmen
Diäten die Schuld:
"Fett- und kalorienreduzierte Diäten und
häufige Verwendung von kalorienarmen Nahrungsmitteln
sind mit den paradoxen Anstieg der Prävalenz der
Adipositas assoziiert".
Herzkrankheit und Diabetes
Adipöse Menschen entwickeln häufig einen Diabetes
Typ 2 und Diabetiker haben ein höheres Risiko für
Herzkrankheiten. Aus diesem Grund wird Menschen mit
Diabetes Typ 2 zu einer “gesunden”
fettarmen, kohlenhydrathaltigen Ernährung“
geraten. Ein Artikel in der medizinischen
Fachzeitschrift Diabetes Care weist jedoch auf
folgendes hin:
"Es wurde gezeigt, dass bei Typ 2
–Diabetikern, die fettarme kohlenhydratreiche
Kost verzehren, negative Wirkungen, wie höhere
Tagesplasmaglukose, höhere Werte für Insulin,
Triglyzeride und VLDL-TG auftreten. Die Studie zeigt,
dass die multiplen Faktoren für die koronare
Herzkrankheit sich bei Diabetikern verschlechtern, die
sich fettarm und kohlenhydratreich ernähren, also die
Ernährung, die so oft zur Senkung genau dieser Risiken
empfohlen wird."
Im Juni 1999 wurde bei 81sten Jahrestreffen der
Gesellschaft für Endokrine Medizin folgendes
verkündet:
"Es wurde gezeigt, dass eine sehr
fetthaltige, kohlenhydratarme Ernährung bei Diabetikern
Typ 2 erstaunlich gute Ergebnisse bei Gewichtsverlust
und Verbesserung der Blutfettprofile bringt. Vielen
Diabetikern, die zur Beratung kommen, ist nicht klar,
dass andere Kohlenhydrate den Blutzucker ebenfalls
ansteigen lassen. Ernährungsberater empfehlen immer
komplexe Kohlenhydrate…Haferflocken und
Vollkornbrot, aber wir müssen klarstellen, dass dies
ebenfalls Kohlenhydrate sind, die den Blutzucker
ansteigen lassen ."
. . . postmenopausale Frauen
1997 wurde entdeckt, dass
"fettarme, kohlenhydratreiche Diäten [15%
Eiweiß, 60% Kohlenhydrate, 25% Fett] bei
postmenopausalen Frauen das KHK-Risiko
erhöhen."
. . . und alle anderen auch
Dr. Gerald M. Reaven von der medizinischen Fakultät
der Stanford University in Kalifornien und seine
Kollegen verglichen die Wirkung einer fettarmen,
kohlenhydratreichen Diät [25% Fett, 60% KH, 15% Eiweiß]
mit einer fettreichen, kohlenhydratarmen Diät [45%
Fett, 40% KH, 15% Protein], auf Blutfette und
Cholesterin. Sie stellten fest, dass ihre Probanden bei
einer kohlenhydratreichen, fettarmen Ernährung sowohl
nüchtern als auch nach Frühstück und Mittagessen
signifikant erhöhte
Nüchternplasmatrizyklidkonzentrationen,
Remnant-Lipoprotein-Cholesterinkonzentrationen und
Remnant-Triglyzeridkonzentrationen aufwiesen. Die
Teilnehmer der Studie hatten außerdem signifikant
niedrigere HDL-Werte (das gute Cholesterin) bei dieser
Ernährung. Die Autoren kommen zu folgendem Schluss:
"Angesichts des atherogenen Potentials
dieser Veränderungen im Lipoproteinmechanismus scheint
es geboten zu sein, die Klugheit der Empfehlung, dass
alle Amerikaner das gesättigte Fett in der Ernährung
mit [Kohlenhydraten] zu ersetzen."
1992 stellte man in der Framingham-Studie fest:
"In Framingham, Mass. wurde festgestellt,
dass das Serumcholesterin der Probanden desto niedriger
war, und sie desto weniger wogen bzw. umso stärker
physisch aktiv waren, je mehr gesättigtes Fett und je
mehr Kalorien sie aßen."
Fettarme, kohlenhydrathaltige Ernährung und
Brustkrebs
Damit nicht genug:
In der bisher größten und umfassendsten Studie zu
Ernährung und Brustkrebs wurde festgestellt dass:
- Frauen mit dem niedrigsten Fettverzehr eine
signifikant höhere Inzidenz von Brustkrebs hatten
und
- Frauen mit dem höchsten Verzehr von Stärke
ebenfalls eine signifikant erhöhte
Brustkrebsinzidenz hatten.
- Gesättigte Fette wurden mit Brustkrebs nicht in
Verbindung gebracht.
Die größte bisherige Studie zum Thema Brustkrebs und
Fettverzehr ist die von der medizinischen Fakultät der
Universität Harvard durchgeführte
Krankenschwesternstudie. Insgesamt wurden 88.795
krebsfreie Frauen ab 1980 14 Jahre lang beobachtet.
Verglich man die Brustkrebsraten von Frauen, die mehr
als 30% ihrer Kalorien aus Fett bezogen mit Frauen, die
weniger als 20% der Kalorien aus Fett aufnahmen, so
stellt man fest, dass Frauen, die sich fettarm
ernährten höhere Brustkrebsraten aufwiesen als Frauen,
die mehr Fett verzehrten. Man analysierte die
verschiedenen Fettarten und stellte fest, dass bei
allen Fettarten außer einer niedriger waren:
Omega-3-Fischöle, also ausgerechnet die als
„gesund“ angepriesenen Öle,
erhöhten die Krebsraten - allerdings
nur gering. Dr. Michelle Holmes und Kollegen kommen
folgendem Schluss:
"Wir konnten keine Hinweise darauf finden,
dass ein geringerer Fettverzehr an Gesamtfett oder
bestimmten Fettarten mit einem sinkenden Krebsrisiko
assoziiert waren " .
Kohlenhydrate sind nicht gesund
Wie wir gesehen haben, war die Erhöhung der
Kohlenhydrataufnahme zuungunsten des Fettverzehrs nicht
unbedingt als Erfolg zu bezeichnen ist. Und dafür gibt
es gute Gründe:
Seit 1863 ist bekannt, das Kohlenhydrate Adipositas
verursacht; seit 1935 wissen wir, dass sie Diabetes
verursachen; seit 1941 ist bekannt, dass sie bei
Kindern Aggressivität und Kriminalität verstärken; seit
fast 30 Jahren weiss man, dass sie die koronare
Herzkrankheit fördern und seit kurzem, dass sie das
Krebsrisiko erhöhen. Ist es denn wirklich Zufall, dass
die Krankheiten, bei deren Ätiologie Kohlenhydrate
auftauchen, so dramatisch angestiegen sind, seit man
uns empfiehlt mehr Kohlenhydrate zu verzehren?
Keineswegs. Gesunde Ernährung kommt inzwischen einer
Katastrophe gleich. Der beste Ratschlag scheint immer
noch zu sein:
- weniger Kohlenhydrate und dafür
- mehr tierische Fette zu verzehren.
Die ganze Diskussion lässt sich folgendermaßen
zusammenfassen:
Fette
Die gesamte Beweislage weist darauf hin, dass wir
anstelle von Pflanzenölen tierisches Fett verzehren
sollten, denn:
- Mehrfachungesättigte Fette in Margarinen und
Bratölen senken vielleicht den Cholesterinspiegel,
erhöhen jedoch das Krebsrisiko.
- Transfette in hochverarbeiteten Margarinen und
Ölen erhöhen außerdem das Risiko für koronare
Herzkrankheit.
- 'Gesunde' Omega-3-Öle erhöhen möglicherweise das
Krebsrisiko.
- Einfach ungesättigte Fette schneiden in Bezug auf
Herzkrankheit nicht besser ab, senken jedoch
möglicherweise das Krebsrisiko.
- Gesättigte Fette sind bei KHK gesünder, vor allem
für Menschen, die bereits einen Herzinfarkt
erlitten haben. Mit Krebs werden sie nicht in
Verbindung gebracht.
- Konjugierte Linolsäure ist ein potenter
Anti-Krebswirkstoff und nur in tierischem Fett
enthalten.
- Tierische Fette haben weniger als 50% gesättigte
Fette, weniger als 50% einfach ungesättigtes Fett
und einen kleinen, aber ausreichenden Anteil an
mehrfachungesättigtem Fett.
Kohlenhydrate
Der Verzehr von Kohlenhydraten aus Zucker und Stärke
in Frühstückscerealien, Brot, Nudeln, Reis usw. sollte
reduziert werden, denn sie fördern Krankheiten wie
Adipositas, Krebs, Diabetes und KHK.
Kleie
Kleie (Getreidefasern) sollte man meiden, wie der
Teufel das Weihwasser.
Schlussfolgerung
Die 1987 veröffentlichte Auswertung aller
cholesterinsenkenden Ernährungsstudien zeigte, dass
über alle Studien betrachtet 6% mehr Todesfälle in der
Gruppe auftraten, die eine cholesterinsenkende Diät
bekamen als in der Gruppe mit cholesterinliberaler
Ernährung. Eine ähnliche Auswertung von Studien, in
denen Medikamente eingesetzt wurden zeigte, dass die
Sterberate in der Gruppe, die Cholesterinsenker
bekamen, über alle Studien 13% höher lag.
In den vergangenen 50 Jahren wurde in die
Erforschung der koronaren Herzkrankheit mehr Mittel,
Zeit und Ressourcen gesteckt als in irgendeine andere
Krankheit der Medizingeschichte. Herausgekommen ist
dabei wenig mehr als die Erkenntnis, dass die Mediziner
nicht so viel darüber wissen, als ursprünglich
angenommen. Wenn in einem halben Jahrhundert kein
ursächlicher Zusammenhang zwischen einer fettreichen
Ernährung und der Herzkrankheit festgestellt werden
konnte, kann das nur daran liegen, dass keiner
besteht.
Um intelligente Entscheidungen zu treffen, braucht
man Informationen, die auf Fakten und nicht auf
unbegründeten Annahmen beruhen. Gegenwärtig scheinen
die Fakten darin zu bestehen, dass Milch, Sahne,
Butter, Fleisch und frisches Obst und Gemüse gesunde
Nahrungsmittel sind wogegen Aufstrichfette mit einem
hohen Anteil mehrfachungesättigter Fette und Öle,
Kleieflocken und abgepacktes Essen nicht dazu
gehören.
Siebzig Jahre nach dem Auftauchen der koronaren
Herzkrankheit wisse wir immer noch nicht was den
dramatischen Anstieg dieser Krankheit in den 1920er
Jahren verursachte oder warum die Zahlen jetzt
rückläufig sind. Eines ist jedoch aus den Studien der
letzten fünfzig Jahre deutlich geworden: Cholesterin
hat damit herzlich wenig zu tun.
Die Forschungsergebnisse geben keinen Hinweis auf
die Notwendigkeit zum Verzehr einer ungenießbaren,
fettarmen, ballaststoffüberfrachteten Diät. Die
„gesunde Ernährung“ schmeckt nicht nur
nicht, sondern ist über dies nicht besonders gesund.
Literatur:
Lyon DM, Dunlop DM.. The treatment of obesity: a comparison of the effects of
diet and of
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High carbohydrate diets, triglyceride-rich lipoproteins and coronary heart
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Sugar, meat, and fat intake, and non-dietary risk factors for colon cancer
incidence in Iowa women.
Cancer Causes Control
. 1994; 5: 38-52.
Teil 1:
Einleitung
Teil 2:
Nahrungsfette und Herzkrankheit
Teil 3:
Ballaststoffe marsch!
Teil 4: Gefahr
durch niedrigen Blutcholesterinspiegel
Teil 5:
Cholesterinsenker
Teil 6: Vorteile?
Teil 7: Und was ist
nun mit der Herzkrankheit?
Teil 8: Eine Frage
der Ethik
Teil 9: Die Gefahren einer gesunden Ernährung
© September 2000
Barry A Groves
Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Kritzer,
Germersheim
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