Mythos CholesterinTeil 6: Vorteile?Bisher ging es um Cholesterinsenkung und Todesfälle; die Studien zeigen jedoch eindrucksvolle Ergebnisse bei der Senkung von nicht-tödlichen Herzinfarkten und eine nachfolgende Verbesserung der Lebensqualität. Die medikamentöse Cholesterinsenkung lag bei ca. 23%. Dies wird weithin als Beweis dafür erachtet, dass die Senkung des Cholesterinspiegels – egal wie – für die gesamte Bevölkerung wünschenswert ist und es sich dafür zu kämpfen lohnt. Die Studien wurden allerdings hauptsächlich mit Männern und nicht mit Frauen durchgeführt. Außerdem litten die Probanden an Hypercholesterinämie oder hatten zumindest extrem hohe Cholesterinspiegel – es waren keineswegs Leute mit normalem Spiegel. Völlig übersehen wird dabei die inzwischen gut dokumentierte nicht-lineare Beziehung zwischen Blutcholesterin und Herzkrankheit, die darauf hinweist, dass eine Senkung der Blutcholesterinspiegel in der Gesamtbevölkerung wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Der breite Konsensus, dass die Kampagne sich hauptsächlich auf Veränderungen in Ernährung und Lebensführung konzentrieren sollte übersieht völlig, dass keinerlei Beweise für die Vorteile einer solchen Maßnahme vorliegen. Ebenfalls übersehen wird, dass die Studien zur Cholesterinsenkung durch Ernährungsumstellung keine signifikante Blutcholesterinsenkung bewirken. 1992 erschien ein Bericht über 19 große Studien der letzten 20 Jahre, in dem die Überarbeitung der allgemeinen Politik der Cholesterinsenkung empfiehlt. Die untenstehende Kurve zeigt das mit dem Cholesterinspiegel bei Männern und Frauen verbundene relative Sterblichkeitsrisiko aus allen Ursachen. Bei den Frauen ist bei sinkendem Cholesterinwert ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Dr. Hulley, Autor des Berichtes sagt:
![]() Bei Männern ist die Situation schwieriger, da die Kurve U-förmig ist. Erkennbar ist jedoch, dass das Risiko bei niedrigem Cholesterin dem Risiko bei hohem Cholesterin ähnlich ist. Dr. Hulley kommt zu folgendem Schluss:
Laut Schätzungen in einer weiteren, auf einer amerikanischen Studie beruhende Analyse betrüge der Zugewinn an Lebenserwartung für Patienten mit sehr hohem Risiko (d.h. bei Patienten mit Hypercholesterinämie, Vorkommen 1:500) bei Befolgung eines lebenslangen Cholesterinsenkungsprogrammes zwischen achtzehn Tagen und zwölf Monaten; bei Menschen mit niedrigem Risiko (also die anderen 499) liegt der Gewinn zwischen drei Tagen und drei Monaten. Das wird die Leute wohl kaum dazu bringen, für den Rest ihres Lebens ungenießbares Essen zu verzehren. Außerdem gehen diese Zahlen von der Annahme aus, dass eine Senkung des Cholesterins effektiv und sicher ist: das erhöhte Risiko der Entstehung anderer, auch tödlicher Krankheiten wurde nicht in Betracht gezogen. Rechnet man jedoch diese Faktoren hinzu wird klar, dass die gegenwärtige Kampagne sicherlich mehr Schaden anrichtet als sie Nutzen bringt. Eine Studie mit Maoris in Neuseeland zeigte, dass Probanden mit den niedrigsten Blutcholesterinspiegeln die höchste Sterblichkeit aufwiesen. Erkenntnisse aus der Framinghamstudie bestätigen das. Es gibt eine Reihe sehr groß angelegter, langfristiger menschlicher Interventionsstudien, die alle zeigen, dass die Senkung des Blutcholesterinspiegels zwar möglich ist, dies jedoch für die Bevölkerung keinerlei Vorteile im Bezug auf die koronare Herzkrankheit hat. Weitere Studien zeigen, dass ein niedriger Cholesterinspiegel bzw. die Methoden die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, das Auftreten anderer schwerer Krankheiten mit Todesfolge erhöhen. Nachstehende Aussage wurde vor dreißig Jahren gemacht:
Diese Aussagen wurden durch alle bis dato durchgeführten großen Studien bestätigt. Vierzig Jahre nach Beginn der Framingham-Herzstudie betrachteten die Forscher die Gesamtsterblichkeit und Cholesterin. Es stellte sich heraus, dass bei Menschen mit niedrigem Cholesterinspiegel das gesunkene Risiko für Herzkrankheit durch nicht durch Herzkrankheit hervorgerufene Todesfälle ausgeglichen wurde. Bei Männern über 47 wurde „weder bei hohen noch bei niedrigen Serumcholesterinspiegeln eine erhöhte Mortalität“ festgestellt. Auch bei Frauen über 47 oder unter 40 konnte keine derartige Beziehung festgestellt werden. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Menschen mit fallenden Cholesterinspiegeln möglicherweise ein erhöhtes Risiko haben. Zehn Jahre später stellten die Wissenschaftler der Framinghamstudie fest: "Verzehr von Fett und Fettart standen in keiner Beziehung zur Inzidenz des kombinierten Ergebnisses aller kardiovaskulären Krankheiten oder der Gesamt- bzw. kardiovaskulären Sterblichkeit." Fazit: Seit fünfzig Jahren wird nunmehr in Studien dokumentiert, dass tierisches Fett unschädlich ist. Literatur:
S Hulley,
et al.
Editorial on Conference on low blood cholesterol.
Circulation
1992; 86 (3):
1026-9
Teil 1: Einleitung
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