Mythos Cholesterin
Teil 4: Gefahr durch niedrigen
Blutcholesterinspiegel
Die Natur hat zum Glück dafür gesorgt, dass die
Theorie wenig Einfluss auf die Praxis hat Samuel Johnson
Niedriges Blutcholesterin und Krebs
Werbung und Medien thematisieren bisher
hauptsächlich die vermeintlichen Gefahren eines hohen
Blutcholesterinspiegels und ignorieren die Gefahren
eines niedrigen Blutcholesterinspiegels weitgehend.
In Ländern, in denen viel gesättigtes Fett verzehrt
wird finden sich meist auch erhöhte Darmkrebsraten.
1974 wurde eine Auswertung der Framingham-Daten und der
Sieben-Länder-Studie von Ancel Keys durchgeführt. Man
erwartete, dass dieser Krebs ebenfalls den hohen
Blutcholesterinwerten zuzuschreiben sein würde. Zu
ihrer Verblüffung stellten die Forscher jedoch fest,
dass genau das Gegenteil zutraf: bei den Krebsfällen
lag der Blutcholesterinspiegel unter dem
Durchschnittswert.
Seit 1972 wurde mehr als zwanzig Studien zur
Beziehung zwischen Blutcholesterinspiegel und Krebs
veröffentliche. Die meisten Studien zeigen eine
Assoziation zwischen niedrigem Blutcholesterin und
Krebs. Die Autoren der Renfrew and Paisley-Studie
kommen zu folgendem Schluss:
"es ist möglicherweise falsch, anzunehmen,
dass die an die Bevölkerung gerichtete
Ernährungsempfehlungen zur Senkung des Verzehrs von
gesättigtem Fett die Gesamtmortalität
verringert.“
In einer in den neunziger Jahren des letzten
Jahrhunderts in den USA veröffentlichten Studie wurden
die im Laufe der Zeit auftretenden Veränderungen der
Blutcholesterinspiegels bei Darmkrebspatienten
untersucht. Die Ärzte stellten fest, dass in den 10
Jahren vor der Diagnostizierung des Krebses die
Blutcholesterinspiegel um durchschnittlich 13% gesunken
war. In der Kontrollgruppe hingegen waren die Spiegel
um durchschnittlich zwei Prozent angestiegen. Zu Beginn
hatten beide Gruppe den gleichen
Blutcholesterinspiegel. Es besteht zwar die Möglichkeit
dass das Absinken der Blutcholesterinspiegel Folge und
nicht Ursache des Krebses war, jedoch wurde dies von
den Forschern ausgeschlossen. Sie verglichen
Cholesterinstudien mit scheinbar gegensätzlichen
Erkenntnissen und zeigten, dass sie in Wirklichkeit
übereinstimmten. Nach einem Vergleich von Probanden,
die etliche Jahre vor der Diagnose normale oder erhöhte
Cholesterinspiegel hatten und solchen, die niedrige
Spiegel aufwiesen kamen sie zu dem Schluss, dass die
langfristige Senkung der Blutcholesterinspiegel die
Entwicklung dieser Krebsart fördert. Interessanterweise
stellte man fest, dass der durchschnittliche
Blutcholesterinspiegel der Krebspatienten auf
durchschnittlich 5.56mmol absank – die
Empfehlungen, die von Seiten des britischen
Gesundheitsministeriums in dem Papier „Health of
the Nation” ausgesprochen werden, liegen unter
5.2 mmol/l.
(Anm. d. Übersetzerin: Empfehlungen in Deutschland
bewegen sich auf ähnlichem Niveau).
Niedriger Cholesterinwert - mehr Schlaganfälle
Etwa gleichzeitig wurde eine sehr große Studie in
Japan veröffentlicht. Die Studie erstreckte sich über
zwei Jahrzehnte und kam zu dem Schluss, dass niedrige
Blutcholesterinspiegel die Häufigkeit von
Schlaganfällen erhöhen.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich Lebens-
und Essgewohnheiten in Japan sehr schnell verändert.
Die Japaner essen heute insgesamt mehr Fett und auch
mehr gesättigte Fette und Cholesterin, tierische Fette
und Protein und weniger Reis und Gemüse. Daraus ergibt
sich die einzigartige Möglichkeit eines groß angelegten
natürlichen Experiments zur Untersuchung der Wirkungen
dieser Veränderungen.
Forschungsberichte zeigen, dass diese Umstellung auf
westliche bzw. städtische Essgewohnheiten, die ja von
einer jahrhundertealten Tradition abweicht, zwischen
1960 und 1980 mit einem allgemeinen Absinken des
Blutdrucks und einem starken Rückgang der durch
Schlaganfälle und Gehirnblutungen verursachten
Todesfälle einherging. Dies wird dem Anstieg der
Blutcholesterinwerte im gleichen Zeitraum
zugeschrieben. Gestützt wird diese Aussage durch das
Ergebnis einer Nachverfolgung von 350.000 Männern, die
als Teil der MRFIT-Studie in USA untersucht wurden.
Dabei stellte sich heraus, dass das Risiko an
Gehirnblutung zu sterben für Männer im mittlere Alter
6-fach erhöht war, wenn ihre Blutcholesterinspiegel
niedrig waren.
Einen Tag vor Weihnachten 1997 geriet eine weitere
Studie in die Schlagzeilen. Die Forscher der
Framingham-Studie gaben an, dass die
„Serumcholesterinspiegel nicht mit dem Vorkommen
von Schlaganfällen in Verbindung stehen…“
und zeigten, dass pro drei Prozent zusätzlich aus Fett
aufgenommener Energie, die Schlaganfällhäufigkeit m 15
Prozent sank. Sie kamen zu folgendem Schluss:
"Verzehr und Art des Fettes standen in
keinem Zusammenhang mit der Inzidenz der aller
kardiovaskulären Krankheiten oder der
Gesamtsterblichkeit bei kardiovaskulären
Krankheiten."
Nach neunundvierzig Jahren Forschung lautet die
Aussage also immer noch, dass keine Beziehung zwischen
einer fettreichen Ernährung und der Herzkrankheit
besteht. Damit ist die Beweislage eindeutig: tierische
Fette sind nicht schädlich.
Zwei weitere Studien, die sich mit dem
Gesamtblutcholesterinspiegel und der Sterblichkeit bei
älteren Menschen befassten, wurden 1997 fast
gleichzeitig veröffentlicht. Die erste Studie wurde von
Wissenschaftlern der Universität Leiden durchgeführt
und stellte fest, dass
"jeder Anstieg an Gesamtcholesterin um 1
mmol/l einem 15%igen Absinken der Mortalität
entsprach".
Auch die Ärzte am Krankenhaus und Herzzentrum im
isländischen Reykjavik stellten fest, dass die großen
epidemiologischen Studien ältere Menschen nie
einbezogen hatten. Bei der Untersuchung von
Gesamtsterblichkeit und Blutcholesterin bei Menschen
über 80 Jahre wurde festgestellt, dass bei Männern mit
Blutcholesterinspiegeln über 6.5 die Sterblichkeit nur
halb so hoch war wie bei Männer mit dem derzeit als
„gesund“ angestrebten Cholesterinspiegel
von 5,2.
Niedriger Cholesterinspiegel und Alzheimer
Etwa die Hälfte des Gehirns besteht aus Fetten. Dr.
F. M.Corrigan et. al. schrieben 1991 über die Linderung
der Alzheimer’schen Krankheit und forderten
“Strategien zur Anhebung
der Cholesterinzufuhr zum Gehirn“ zu
entwickeln. Im Kampf gegen Alzheimer empfehlen sie, die
Fettzufuhr zu steigern.
Und auch zu Beginn des Lebens!
1991 lautete die Empfehlung des amerikanischen
nationalen Cholesterinaufklärungsprogrammes, dass
Kinder über zwei Jahre zur Verhütung der koronaren
Herzkrankheit fettarm und cholesterinarm ernährt werden
sollten. Eine Tabelle, auf der eine gute Korrelation
zwischen Cholesterinverzehr und Blutcholesterin bei
sieben neunjährigen Jungen aus sechs Ländern zu sehen
war, stützte diese Empfehlung. Was die Tabelle
allerdings nicht zeigte, war die klare Korrelation
zwischen Blutcholesterin und Tod im Kindesalter in
diesen Ländern. Tabelle V stellt diese Korrelation dar.
Es wird deutlich, dass die Sterblichkeit bei sinkendem
Cholesterin drastisch steigt. Auch für Kinder ist also
ein niedriger Cholesterinspiegel ungesund…
Tabelle V:
Blutcholesterin und Sterblichkeit in Kindern unter 5
Jahre in sechs Ländern
|
Blutcholesterin |
Kinder-sterblichkeit |
| Finnland |
4.9 |
7 |
| Niederlande |
4.5 |
9 |
| USA |
4.3 |
12 |
| Italien |
4.1 |
12 |
| Philippinen |
3.8 |
72 |
| Ghana |
3.3 |
145 |
Niedriger Blutcholesterinspiegel, aggressives
Verhalten und Selbstmord
Seit 1992 wurde mehrfach beobachtet, dass Menschen,
die versuchten, durch die Ernährung ihren
Cholesterinspiegel zu senken, erhöhte Selbstmordraten
aufwiesen. Bei sinkendem Blutcholesterin sinkt auch die
Anzahl der Serotoninrezeptoren, das führt zu sinkender
Mikroviskosität und beeinträchtigt das Gleichgewicht
des Hirnfettstoffwechsels, was wiederum schwerwiegenden
Einfluss auf die Gehirnfunktion haben könnte.
In Institutionen stellte man fest, dass der
Cholesterinspiegel bei aggressiven Menschen und
Menschen mit antisozialen Persönlichkeiten niedriger
lag als normal: typische Werte betrugen 5.04mmol/l im
Vergleich zu 6.02mmol/l. Geisteskranke Patienten mit
hohen Blutcholesterinspiegeln (7.55mmol/l) waren
weniger regrediert und in sich zurückgezogen als
Patienten mit niedrigeren Spiegeln (4.80mmol/l).
Dr. Matthew G. Dunnigan vom Stobhill General
Hospital, Glasgow, kommt zu folgendem Schluss:
"Ohne endgültige Daten zur Sterblichkeit aus
allen Ursachen und angesichts der gegenwärtig noch
nicht ausgeräumten Bedenken bezüglich der
außergewöhnlich hohen Zahl an nicht-herzbezogenen
Todesfällen bei randomisierten kontrollierten Studien
hängt die Entscheidung über den Beginn einer Therapie
mit lebenslang zu nehmenden Lipidsenkern bei der
Mehrheit der Patienten mit primärer
Hypercholesterinämie von der Entscheidung des Arztes
ab, die er aufgrund seiner Interpretation der
vorliegenden Datenlage trifft. Genau wie in anderen
Situationen gibt es auch hier keine Sicherheit, so dass
jede derartige Entscheidung in der Grauzone zwischen
missionarischem Eifer zur Senkung der
Lipidkonzentration und therapeutischem Nihilismus
getroffen wird.“
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Teil 1: Einleitung
Teil 2: Nahrungsfette und Herzkrankheit
Teil 3: Ballaststoffe marsch!
Teil 4: Gefahr durch niedrigen Blutcholesterinspiegel
Teil 5: Cholesterinsenker
Teil 6: Vorteile?
Teil 7: Und was ist nun mit der Herzkrankheit?
Teil 8: Eine Frage der Ethik
Teil 9: Die Gefahren einer gesunden Ernährung
Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Kritzer,
Germersheim
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