Mythos Cholesterin
Teil 8: Eine Frage der Ethik
Ist es ethisch vertretbar, der Bevölkerung eine
Ernährungsweise aufzuoktroyieren weil man damit hofft,
die koronare Herzkrankheit (KHK) einzudämmen?
Vielleicht sind Sie der Ansicht, dass Vorsorge besser
ist als Therapie. Aber ist das richtig? Was hier
vergessen wird, ist die sehr reale Möglichkeit, dass
eine solche Intervention mehr Schaden anrichtet als
nutzt. “Präventiv“-Medizin bedeutet im
Fall der Herzkrankheiten zwei Dinge. Zunächst werden
wir aufgefordert, unseren Lebensstil zu ändern und
zweitens untersuchen die Ärzte uns bei jeder sich
bietenden Gelegenheit.
Bei Untersuchungen geht es jedoch nicht um
Prävention sondern nur Dokumentation von Krankheit. Um
ein solches Vorgehen sinnvoll zu gestalten, sind eine
Reihe von Kriterien erforderlich. Wichtig ist zunächst,
dass es sich um eine weit verbreitete, ernsthafte
Krankheit handelt, denn bei seltenen Krankheiten führen
Untersuchungen häufig zu falschen Ergebnissen. Dadurch
werden weitere, kostspielige Untersuchungen notwendig
und die Patienten werden zusätzlich psychisch
belastet.
Das erste Problem bei der Untersuchung auf KHK
besteht darin, festzulegen, was im Einzelnen zu
untersuchen ist. Das Gesamtcholesterin hat sich als
Indikator für KHK als irrelevant erwiesen, und wird
heute von vielen Fachleuten als Parameter abgelehnt.
Viel aussagekräftiger ist nach Meinung dieser Experten
die Messung von HDL (dem „guten“
Cholesterin). Bei einer Überprüfung der Genauigkeit der
Messung von HDL ergaben sich bei verschiedenen
Laboratorien bei den 95% der Proben Unterschiede von
40%. In einer weiteren Studie wurden 16 Messinstrumente
von neun Herstellern in 44 Labors getestet. Hier waren
die Messgeräte zwar weniger ungenau (3,6-4,4%) jedoch
ergaben sich durch die angewandten Methoden nochmals
Unterschiede von 6,8 – 25%. Die Präzision von
Tischgeräten dürfte noch zweifelhafter sein.
In einer dritten Studie wurde untersucht, ob sich
durch Cholesterinmessungen bei Patienten
Blutcholesterinanomalitäten feststellen ließen. Man kam
zu dem Schluss, dass bei Anwendung der gültigen
Richtlinien bei 41% der Patienten mit anormalen
Spiegeln die Anomalität gar nicht entdeckt wurde.
Ein weiteres Kriterium ist die Verfügbarkeit einer
effektiven Therapie für die Krankheit, da eine
Frühentdeckung wenig sinnvoll ist, wenn kein wirksames
Medikament zur Verfügung steht.
Man könnte einwenden, dass der Grund für die
Entstehung der koronaren Herzkrankheit bekannt ist:
hohe Cholesterinspiegel oder zu hoher Fettgehalt der
Nahrung oder Mangel an Bewegung. Aber vielleicht ist es
auch etwas ganz anderes. 1981 umfaßte die Liste der
„Risikofaktoren” für KHK
zweihundertsechsundvierzig Einträge. Inzwischen liegt
die Zahl über dreihundert. Zu diesen so genannten
Risikofaktoren gehört „Englisch als
Muttersprache“, „diagonale Falte im
linken Ohrläppchen“, „kein
Mittagsschlaf“, „kein Verzehr von
Makrelen“, „Schnarchen“ und das
Tragen von zu enger Unterwäsche. Eine derart lange
Liste bedeutet schlicht, dass wir über den wahren
Ursachen der koronaren Herzkrankheiten wenig wissen.
Sollte es jedoch tatsächlich über dreihundert
Risikofaktoren geben, stehen unsere Chancen zur
Bekämpfung der Krankheit äußerst schlecht.
Einer der Direktoren des „Health Education
Programme” der American Medical Association
prangerte 1984 die nachgerade kreuzzugsähnlichen
Kampagnen an, die Änderungen der Lebensführung
fälschlicherweise als Erfolg versprechend bezeichnen:
"Die ständige Überprüfung der Lebensführung auf
Risikofaktoren, das Sich-Versagen von Genuss, die
Ablehnung des alten schlechten Lebensstil und die
rigorose Umsetzung eines neues Lebensstils gehen einher
mit regelmäßigen Beteuerungen des rechten Glaubens die
an religiöse Erweckungsveranstaltungen
gemahnen…die selbstgerechte Intoleranz einiger
Gesundheitsapostel nimmt nachgerade faschistische Züge
an. Historisch gesehen war das Risiko für den Menschen
immer dann am größten, wenn andere versuchten, ihn nach
ihren Vorstellungen zu seinem Besten
umzumodeln."
Erzählt man Menschen, die gesund und munter sind,
dass dem nicht so sei und sie jeden Moment tot umfallen
können, wenn sie ihr Leben nicht schleunigst ändern, so
schafft man damit nicht nur unnötige Angst und Sorge,
sondern beeinflusst die Lebenseinstellung der Menschen
möglicherweise schwerwiegend. Die Vorteile von
Massenuntersuchungen sind eher zweifelhaft und das
Schadensrisiko ist hoch. Solche Interventionen sind
ethisch nur zu rechtfertigen, wenn der Patient es
fordert oder entsprechend schwerwiegende Symptome
vorliegen.
Wenn man mit Beschwerden zum Arzt geht und dieser
einen nach bestem medizinischen Kenntnisstand
behandelt, kann der Arzt nicht für fehlende
medizinische Erkenntnisse verantwortlich gemacht
werden. Wenn der Arzt jedoch ohne Wunsch des Patienten
eine Therapie einleitet, sieht die Situation ganz
anders aus. Cochrane und Holland schreiben, dass der
Arzt unter solchen Umständen vor dem Anraten zu einem
solchem Vorgehen “unserer Ansicht nach
eindeutige Beweise dafür haben sollte, dass eine solche
Massenuntersuchung den natürlichen Krankheitsverlauf
bei einer signifikanten Anzahl der untersuchten
Patienten verändern kann.“ Ist das nicht
der Fall, kann er für entstehenden Schaden zur
Verantwortung gezogen werden.
Im Fall der koronaren Herzkrankheit wurden
etablierte medizinische Standardtest und ethische
Aspekte einfach außer Acht gelassen. Die Empfehlungen
wurden der Bevölkerung aufgedrängt, bevor sie überprüft
waren und nun haben die Verantwortlichen Angst ihren
Fehler zuzugeben. Ganze Bevölkerungsgruppen leiden
völlig unnötig.
In den USA, wo der Cholesterinspiegel routinemäßig
überprüft wird, ist in der Bevölkerung eine
„Cholesterinphobie“ ausgebrochen. Die
Menschen denken mehr ans Sterben als ans Leben und in
Interviews sagten viele der Befragten, dass ihr
Lebensqualität stark gelitten hätte, weil sie jedes
Mal, wenn sie sich etwas „gönnten“ ein
schlechtes Gewissen hätten. Eins der Prinzipien der
COMA (Committee on Medical Aspects and Nutrition
Policy, berät die britische Regierung in
Ernährungsfragen) lautet, dass Maßnahmen
"einigermaßen Erfolg versprechend im Hinblick auf
Erhöhung der Lebenserwartung und Lebensqualität der
Gesamtbevölkerung sein müssen“ Weltweite
Erfahrungen zeigen – besonders in den USA
– dass keines der beiden Ziele erreicht wird.
In Großbritannien werden in Allgemeinpraxen und in
der allgemeinen Gesundheitsversorgung Tischgeräte zur
Cholesterinmessung eingesetzt, die meist von
Pharmaunternehmen leihweise zur Verfügung gestellt
werden. Im Lancet wurde kürzlich die Vermutung
geäußert, dass dieses Arrangement lediglich zur
Erhöhung der Gewinne der pharmazeutischen Unternehmen
dient, weil dadurch mehr Cholesterinsenker verkauft
werden können. Der Artikel stellt die Frage nach dem
ethischen Aspekt des Ganzen. Angesichts der in den USA
festgestellten Ungenauigkeiten solcher Messgeräte
stellt sich zusätzlich die Frage nach dem seelischen
Belastungen, die sich für die Patienten ergeben.
Ärzte konzentrieren sich auf Krankheiten
Es gibt Anzeichen dafür, dass Ärzte gemeinhin eher
Krankheiten diagnostizieren als sich auf Gesundheit zu
fokussieren. Ein klassisches Beispiel dafür ist eine
Reihenuntersuchung, die in New York mit 1000
elfjährigen Kindern (Rachenmandeln) durchgeführt wurde.
Bei der Erstuntersuchung wurde festgestellt, dass bei
61% die Mandeln bereits entfernt worden waren. Die
übrigen 39% wurden erneut von einer Gruppe Ärzte
untersucht, die bei 46% zur Entfernung der Mandeln
rieten. Der Rest wurde von einer weiteren Gruppe Ärzte
untersucht und auch hier wieder wurde in der Hälfte der
Fälle zur Entfernung der Mandeln geraten. Nach drei
Untersuchungen waren von den ursprünglich 1000 Kindern
65 übrig, denen man keine Operation empfohlen hatte.
Der Versuch musste an dieser Stelle abgebrochen werden,
da keine weiteren Ärzte für die Untersuchungen
verfügbar waren. Hätte man den Rat der Ärzte befolgt,
wären wohl eine ganze Reihe unnötiger Operationen
durchgeführt worden.
Hohe Fehlerquote bei Diagnosen
Diese Fokussierung auf Krankheit kann zu einer hohen
Fehlerquote bei der Diagnose führen. Bei
Postmortemuntersuchungen in einem britischen
Krankenhaus stellte sich heraus, dass die Hälfte der
Patienten, die an einer diagnostizierten spezifischen
Herzkrankheit litten, an etwas anderem gestorben waren.
Bei einer Probe, die an verschiedene Labors geschickt
wurde, ergaben sich in 25% aller Fälle unterschiedliche
Ergebnisse. Diagnostische Geräte scheinen nicht besser
abzuschneiden. Bei einem Wettbewerb zwischen Ärzten und
Computern wurde in 83 Fällen zu einer Hüft-OP geraten.
Die pathologische Untersuchung zeigte, dass diese OP
nur in 22 Fällen tatsächlich angezeigt war. In 37
Fällen war die Computerdiagnose richtig und die Ärzte
lagen falsch, in 11 Fällen stellten die Ärzte die
richtige und der Computer die falsche Diagnose und in
19 Fällen hatten beide unrecht.
Unterschiede zwischen Ländern
Diagnose und Verschreibungsgewohnheiten
unterscheiden sich auch von Land zu Land. In
Großbritannien ist zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit,
dass einem Patient Vitamine verordnet werden sieben Mal
höher als in Schweden und in Schweden liegt die
Wahrscheinlichkeit einer Verordnung von Gammaglobulin
8mal höher als in Großbritannien. In den USA führen
Chirurgen Operation doppelt so häufig aus wie in
Großbritannien und in Frankreich wird mit Vorliebe
amputiert. Blinddarmentzündung und nachfolgende
Todesfälle werden in Deutschland drei mal häufiger
diagnostiziert als in allen anderen Ländern.
Und nun zu den Kosten
In den späten achtziger Jahren lagen die Kosten
dieser Interventionen in den USA bei schätzungsweise 14
Milliarden Dollar pro Jahr. Die Kosten für
Cholestyramin für ca. 5 Millionen Menschen lagen bei
den Preisen der neunziger Jahre bei 10 Milliarden
Dollar, dazu kommen noch weitere 10 Milliarden für
Laborkosten und ärztliche Dienstleistungen. Würden in
Großbritannien ebenfalls Reihenuntersuchungen
durchgeführt und ein Cholesterinsenkungsprogramm
aufgelegt so würde wahrscheinlich für ca. 10% aller
Männer im Alter von 40-69 Jahren eine medikamentöse
Therapie verordnet, deren Kosten die Ausgaben des
Nationalen Gesundheitsdienstes, der 1 992 bei 2,3
Milliarden Pfund lagen um20% erhöhen. Mit anderen
Worten: die Kosten für Medikamente lägen pro Patient
zwischen 80 und 120 Pfund pro Jahr (ca. 100 bis 180
Euro). Es gibt viele Hinweise darauf, dass mit diesem
Geld das Auftreten eines tödlichen Herzinfarktes bei
normalen Menschen um 3 Tage bis 3 Monate hinausgezögert
werden kann – gleichzeitig verkürzt die Therapie
jedoch die Lebenszeit der Betroffenen, da sie eher an
Krebs, Osteoporose oder Schlaganfall sterben.
Auswirkungen auf den staatlichen Gesundheitsdienst
NHS (Gesundheitskosten)
Sir William Beveridge baute den Nationalen
Gesundheitsdienst unter der Annahme auf dass: "es
in jeder Bevölkerung ein bestimmtes, begrenztes Maß an
Krankheit gibt, das bei gleichberechtigter Behandlung
langsam abnimmt." Man rechnete bei sinkender
Krankheitshäufigkeit mit einem nachfolgenden Sinken der
Kosten für den Gesundheitsdienst. Niemand zog in
Betracht, dass der NHS seine Dienstleistungen so stark
umdefinieren und erweitern würde, dass nur durch
Haushaltsbeschränkungen einer endlosen Ausuferung
Einhalt geboten werden konnte.
Die immer ausgefeilteren modernen Therapien, die der
NHS anbot und die eingefordert wurden bedeuteten eine
erhebliche Belastung. Aufwendung von Geld und
Ressourcen für unnötige Therapien ist Verschwendung.
Wenn jedoch Milliarden für unbewiesene dubiose
Hypothesen wie die derzeitigen „Richtlinien zur
gesunden Ernährung“ verschwendet werden, so ist
das unverantwortlich und kann auf Dauer nur Schaden
anrichten.
Dr. Halfdan Mahler, Generaldirektor der
Weltgesundheitsorganisation erkannte bereits 1984, dass
hier Mittel verschwendet werden:
"Der größte und teuerste Teil der derzeit
angewandten Medizintechnologie scheint eher dazu zu
dienen, die Bedürfnisse der Gesundheitsdienstleister
und nicht die Bedürfnisse der Verbraucher der
Gesundheitsversorgung zu erfüllen."
Nebenwirkungen
Die aktuellen Empfehlungen im Zusammenhang mit der
Lipidtheorie und der durch die Medien vermittelte Druck
zur Erzielung immer niedrigerer Cholesterinwerte haben
dazu geführt, dass immer mehr Menschen unnatürliche und
ungesunde Modediäten befolgen. Dadurch kam es zu einem
raschen Anstieg von Fällen mangelernährter Kleinkinder,
Mangelkrankheiten und andere tödliche oder zumindest
beeinträchtigenden Krankheiten. Ohne ausreichende
Aufnahme von Fett in der Nahrung kann der Körper die
fettlöslichen Vitamine nicht verwerten. Vitamin D kann
der Körper Kalzium nicht aufnehmen. Werden dazu noch
Ballaststoffe in Form von Kleie verzehrt, so haben wir
einen weiteren Faktor, der zum steigenden Auftreten von
Osteoporose und Rachitis beiträgt.
Vegetarische Gewohnheiten etablieren sich mehr und
mehr. Da tierische Produkte die einzige Quelle für
Vitamin B12 sind besteht bei Veganern, die nichts vom
Tier zu sich nehmen, ein erhebliches Risiko, an
perniziöser Anämie zu erkranken. Pillen helfen wenig,
denn künstliche Vitamine werden im allgemeinen schlecht
verwertet. Produkte aus fermentiertem Soja wie Tempeh
bzw. in Reformhäusern u.ä. angebotenes Spirulina, die
Vitamin B12 enthalten sollen, liefern nur Analoge des
Vitamins, die im Menschen nicht aktiv sind und in
manchen Fällen sogar den Vitamin B12-Stoffwechsel
beeinträchtigen können. Kinder von Veganern haben
normalerweise ein niedrigeres Körpergewicht, sind
kleiner und leiden an weiteren gesundheitlichen
Problemen.
Britische Ärzte berichten von Fällen aus der
„Müsligemeinde“ bei denen Kinder schwere
ernährungsbedingte Krankheiten wie z.B. Kwashiorkor,
Marasmus und Rachitis entwickeln, die den törichten
Eßgewohnheiten der Eltern zu verdanken sind. Bis vor
kurzem traten diese Krankheiten nur bei afrikanischen
Kindern, die an schwerer Unterernährung litten, auf.
Die Lage in Großbritannien ist jedoch so ernst, dass
Ärzte bereits anregen, solche Fälle als
Kindesmissbrauch einzustufen. Kann man den Eltern aber
Vorwürfe machen? Sollte man Schuld für diese
beklagenswerte Situation nicht bei den
Ernährungsexperten suchen?
Ärzte in den USA berichten über steigende Zahlen von
Kindern die aufgrund von Fehlernährung unter
Kleinwüchsigkeit und anderen Mangelerscheinungen
leiden, die nur dem Druck zum Verzehr nährstoffarme,
kalorienarme Lebensmittel zu verzehren, weil diese
“gesund” sind, zuzuschreiben ist. Diese
Kinder sind nicht nur kleiner als ihre gleichaltrigen
Freunde sondern ihnen stehen noch weitere Probleme ins
Haus. Es wurde gezeigt, dass Erwachsene mit geringem
Geburtsgewicht vermehrt unter KHK zu leiden haben. Auch
das Wachstum des Gehirns und die Intelligenz sind bei
unterernährten Kindern weniger ausgeprägt.
Es scheint, als ob wir aus früheren Erfahrungen
nichts lernen. Während des zweiten Weltkriegs als wir
angeblich so gesund waren, war der Proteinmangel so
verbreitet, dass bei vielen Menschen nach dem Tod ein
25%-iger Schwund des Herzmuskels festgestellt wurde.
Ähnlicher Eiweißmangel herrscht heute wieder.
Und nicht nur Menschen leiden unter Nebenwirkungen.
Durch das ständige Bemühen noch magereres Fleisch zu
züchten werden Schlachttiere gezüchtet, die in ihrem
natürlichen Umfeld nicht mehr überlebensfähig wären.
Belgische Blaurinder werden auf Magerfleisch
hingezüchtet und haben doppelte Muskeln. Die Kälber
sind so groß, dass sie durch Kaiserschnitt entbunden
werden müssen. Andere Rinder und Schweine bekommen
Hormone im Futter, damit sie weniger Fett ansetzen.
Niemand weiss, welche langfristigen Auswirkungen das
für Tiere und Menschen haben wird.
Die Einwände gegen rotes Fleisch führen auch dazu,
dass weniger Rinder und Schafe aufgezogen werden und
mehr Land zum Anbau von Getreide, Raps und anderem
Gemüse verwendet wir. Getreide und Gemüse produzieren
nicht wie Tiere natürlichen Dünger für die Felder, so
dass künstlich hergestellter Stickstoff ausgebracht
werden muss. Wir wissen, dass dieser Stickstoff in
großen Mengen aus den Böden ausgeschwemmt wird und
unser Grundwasser verschmutzt. Gras wiederum, die
Nahrung von Rindern und Schafen versiegelt die Nitrate
im Boden und verhindert die Verschmutzung.
Die Mittelmeerdiät
Die “Mittelmeer”-Diät ist gesünder
– sagt man uns. Man empfiehlt uns zu essen wie
die Franzosen, Italiener und Spanier. Das mag richtig
sein – aber nicht aus den Gründen, die uns
normalerweise genannt werden.
Die Mittelmeerdiät wird von den
Gesundheitsfanatikern empfohlen weil sie angeblich
fettarm ist. Das ist barer Unsinn! So etwas kann nur
von Leuten behauptet werden, die noch nie im
Mittelmeerraum waren und nicht zu wissen scheinen, dass
die Norditaliener Butter lieben, das Schweinefett
schalenweise auf spanischen Märkten verkauft wird oder
die Spanier das dick auf ihren morgendlich verzehrten
Toast streichen. Auch wissen sie nicht, dass in
Südfrankreich Gänsefett zur Zubereitung cassoulet
verwendet wird oder dass im ganzen Mittelmeerraum
Würste, Salamis und Pâtés immer bis zu fünfzig Prozent
Fett enthalten.
Die Mittelmeerdiät mag gesünder sein als die
britische Ernährung aber im Gegensatz zu der
allgemeinen Überzeugung ist sie alles andere als
fettarm!
Allerdings besteht eine Reihe von Unterschieden
zwischen Mittelmeerländern und Großbritannien, die die
Gesundheit signifikant beeinflussen. Nicht nur verzehrt
die durchschnittliche Arbeiterfamilie in Südeuropa ganz
andere Dinge als die typische britische Familie sondern
die Leute haben ganz andere Einkaufs- Zubereitungs- und
Eßgewohnheiten. Folgende Liste zeigt die
Hauptunterschiede:
| Mittelmeerernähungs-gewohnheiten
|
Britische
Ernährungsgewohnheiten |
| Die durchschnittliche Mittelmeerdiät besteht
aus natürlichem unverarbeitetem Fleisch, Gemüse
und Obst, das normalerweise täglich frisch
eingekauft wird. |
Die durchschnittliche britische Ernährung
besteht aus abgepackten, stark verarbeiteten
Lebensmitteln mit chemischen Zusätzen. |
| Fleisch ist ein wichtiger Bestandteil der
Ernährung |
Uns wird empfohlen, weniger Fleisch zu
essen. |
| Fette wir Butter, Olivenöl und unverarbeitete
Tierfette werden verzehrt |
Die verzehrten Fette sind hauptsächlich
verarbeitet Margarine, fettarme Ersatzstoffe
und Pflanzenöle. |
| Mahlzeiten werden in Ruhe ohne Hektik
verzehrt. Das Mittagessen dauert bis zu zwei
Stunden, danach wird Mittagsruhe
eingehalten. |
Essen ist mit Hektik verbunden, das
Mittagessen wird oft zum Arbeitsessen oder
nebenbei verzehrt. Oft wird nur Junk Food
verzehrt. |
| Über sechzig Prozent der Energieaufnahme
finden von 2 Uhr nachmittags statt. |
Das größte Mahl wird abends verzehrt. |
| Wein (dem herzschützende Wirkung
zugeschrieben wird), wird als Teil des Essens
zum Essen getrunken. |
Bier, Wein und Schnaps werden während des
Abends jedoch nach dem Abendessen getrunken.
|
Cholesterintests
Stellen Sie sich vor, es ist zwei Uhr morgens, sie
liegen im Bett und hören ein Geräusch. Sie wissen, das
kann nur ein Einbrecher sein. Sie merken, wie ihr Herz
beginnt zu rasen. Genauso schnell kann Ihr
Cholesterinspiegel ansteigen – aus dem gleichen
Grund. Eine der Wirkungen des “Kampf- oder
Fluchtreflexes” ist das Ansteigen des
Blutcholesterinspiegels. Jede Art von physischem oder
psychischem Stress kann diese Wirkung haben. Wenn Sie
zu ihrem Arzt rennen ist Ihr Cholesterinspiegel höher,
als wenn sie gemütlich gehen; wenn Sie stehen ist er
höher als wenn sie sitzen. Wenn sie ängstlich sind oder
Ihr Arzt sorgenvoll guckt, steigt der
Cholesterinspiegel. Wenn man den Cholesterinspiegel
einen Tag lang stündlich oder einen Monat lang täglich
messen würde wäre es nicht erstaunlich, eine große
Bandbreite an Werten zu finden.
Der Blutcholesterinspiegel steigt natürlicherweise
an, wenn der Mensch älter wird. Ein Wert von 9mmol/l
ist für einen Zwanzigjährigen hoch, für einen
fünfzigjährigen Menschen jedoch völlig normal.
Cholesterinmessungen sind nicht sehr präzise
– die Rate liegt unter 80% -- selbst wenn sie im
Labor durchgeführt werden. Eine Studie zeigt, dass die
gleiche Probe in verschiedene Labors mit bis zu
1.3mmol/l Unterschied gemessen wurde. Wird die Messung
mit dem Tischgerät des Arztes durchgeführt, ist die
Präzision noch geringer.
Stellen Sie sich z.B. vor, Sie sind ca. 30 Jahre alt
und Ihr Cholesterinspiegel liegt bei 6,0 mmol/l, ist
also völlig in Ordnung. Sie rennen in die Praxis und
warten gespannt auf ihr Ergebnis. Dadurch kann der
Spiegel um 25% auf 7,5 steigen. Wenn man diese Probe
ins Labor schickt, kann der Wert nochmals um 1,3
steigen. Aus den normalen 6.0 sind plötzlich hohe 8,8
geworden!
Tatsächlich beeinflussen so viele Variablen den
Cholesterinspiegel, dass ein einmaliger Test
Zeitverschwendung ist und dem Patienten nur unnötige
Sorgen bereitet, also mehr Schaden anrichtet als Nutzen
bringt. Denken Sie daran, wenn Sie ihren
Cholesterinspiegel testen lassen müssen.
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Lipoprotein-cholesterol analysis during screening: accuracy and reliability.
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H E Sigerist. From Bismarck to Beveridge: Developments and trends in social
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Bulletin of the History of Medicine
13 (1943): 365.
Office of Health Economics, Prospects in Health Publication No. 37. London,
1971.
Teil 1: Einleitung
Teil 2: Nahrungsfette und Herzkrankheit
Teil 3: Ballaststoffe marsch!
Teil 4: Gefahr durch niedrigen Blutcholesterinspiegel
Teil 5: Cholesterinsenker
Teil 6: Vorteile?
Teil 7: Und was ist nun mit der Herzkrankheit?
Teil 8: Eine Frage der Ethik
Teil 9: Die Gefahren einer gesunden Ernährung
Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Kritzer,
Germersheim
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